Forderung 3

eine deutliche Verbesserung des Personalschlüssels
Im Landtagswahlkampf 2014 hatte Sachsens heutiger Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) verkündet und in Stein gemeißelt, dass er nach der Landtagswahl mit der CDU keinen Koalitionsvertrag unterschreiben werde, in dem nicht eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels in sächsischen Kitas festgelegt ist. Eltern und ErzieherInnen hatten sich nach diesen starken Worten eine deutliche Verbesserung erhofft und wurden maßlos enttäuscht.

Im Oktober 2014 präsentierten CDU und SPD ihren Koalitionsvertrag. Auf Seite 16 hieß es: „Wir werden in dieser Legislaturperiode den Betreuungsschlüssel in Kindertagesstätten und Kinderkrippen schrittweise senken. Am 01.09.2015 wird der Betreuungsschlüssel in Kindertagesstätten auf  1:12,5  verbessert, am  01.09.2016  auf 1:12. Für die Kinderkrippen verbessert sich das Betreuungsverhältnis am 01.09.2017 auf 1:5,5 und am 01.09.2018  auf 1:5.“ Man muss es ganz deutlich sagen, dass in diesem Zusammenhang zweimal das Wort „verbessert“ auftaucht, ist eine einzige große Frechheit gegenüber Eltern und ErzieherInnen. Dabei wissen natürlich auch die Abgeordneten von CDU und SPD, dass Sachsen nach dem aktuellen Ländermonitor „Frühkindliche Bildungssysteme“ mit seinem miserablen Betreuungsschlüssel im Krippenbereich das Schlusslicht in Deutschland bildet. In Kindergartenbereich liegt nur noch Mecklenburg-Vorpommern hinter dem Freistaat. „Sachsen bleibt weit davon entfernt, die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung für kindgerechte Betreuungsverhältnisse zu erreichen. Denen zufolge sollte bei den unter Dreijährigen eine Erzieherin für höchstens drei Kinder verantwortlich sein. Für die Altersgruppe ab drei Jahren sollte der Personalschlüssel nicht schlechter als 1 zu 7,5 sein“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bertelsmann Stiftung.

Die Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Freistaat Sachsen forderte bereits 2009 in einem Positionspapier: „Die Personalschlüssel für Kinder im Alter von 0-3 Jahren werden auf 1:4, für Kinder im Alter von 3-6 Jahren auf 1:10 und für Kinder im Alter von 7-10 Jahren auf 1:16 verändert. Als Berechnungsgrundlage wird eine achtstündige Betreuungszeit zugrunde gelegt.“

Warum wollen wir Eltern einen besseren Personalschlüssel?

1. Je mehr ErzieherInnen zur Verfügung stehen, desto intensiver kann sich um jedes einzelne Kind gekümmert werden. Das hat ganz konkret Auswirkungen auf die somatische, soziale, kommunikative, ästhetische, naturwissenschaftliche und mathematische Bildung eines jeden einzelnen Kindes! Das sieht die Liga der Freien Wohlfahrtsverbände in Sachsen ganz ähnlich. In ihrem Positionspapier schreibt die Liga: „Um den landesgesetzlich verankerten Sächsischen Bildungsplan in den Kindertageseinrichtungen nachhaltig zu implementieren, ist die Verbesserung des Personalschlüssels erforderlich. Nur damit wird eine kontinuierliche, von Qualität geprägte pädagogische Arbeit gemäß den Vorgaben des Sächsischen Bildungsplans möglich.“

2. Die Bertelsmann Stiftung weißt darauf hin, dass sich ungünstige Betreuungsverhältnisse nicht nur für die Kinder negativ auswirken, sondern auch die Belastung der Kita-Fachkräfte erhöhen. Das haben kürzlich Wissenschaftlerinnen der Alice Salomon Hochschule Berlin nachgewiesen.

3. Eine Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung in Berlin kam im August 2014 zu dem Schluss, dass die Gruppengröße und der Personalschlüssel in den Kindertagesstätten einen entscheidenden Einfluss darauf haben, wann Mütter wieder in den Job zurückkehren. Das gilt insbesondere in der Altersgruppe der unter Dreijährigen und vor allem in Ostdeutschland.